Der Blick der Enkelin auf ihre Großeltern

von birgit, am 4. November 2015 | | Keine Kommentare bisher

Die Künstlerin Franziska Burkhardt war im Herbst 2015 bei den offenen Ateliers in Köln im Fotoraum zu Gast. Zu sehen waren bewegende, sensible Farbfotografien, in denen Franziska Burkhardt den Alltag und das Zuhause ihrer Großeltern Doris und Manfred erforscht und dokumentiert.

 

Auf die Frage nach ihrer Motivation für diese Arbeit sagt Franziska Burkhardt: „Wenn ich beide da so sitzen sehe, dann scheinen Sie für mich nicht zu altern. Die Großeltern sind immer die Großeltern. Sie haben graues Haar, hören nicht mehr so gut, sie jammern manchmal, dass ihnen hier oder da etwas weh tut, sie wieder einmal ewig beim Arzt saßenund erzählen uns Geschichten von früher. Ich nahm eine beobachtende Position ein. Ging in eine Stille um nicht sichtbar zu sein. Die Kamera war für beide gar nicht so bedeutungsvoll. Schnell war es ihnen egal. Sie fühlten sich nicht bedrängt. Es war eher mein Gefühl, das unbehaglich war. Wie jetzt in so eine andere Position wechseln? Die Fotografin, nicht die Enkelin. Aus dem versuchten Abstand ist eine Nähe geworden, die unter die Haut ging mit all ihren Facetten. In der alltäglichen Betrachtung entstanden Verbindungen, ihrer Bedürfnisse (essen, trinken, waschen, schlafen) und ihrer Sinne. Die, welche der Mensch braucht, um zu handeln und lebensfähig zu sein. Der Mensch verliert all dass, was er sich als Kind so schnell und mit einer Leichtigkeit angeeignet hat. Besonders mochte ich die Ästhetik ihrer Hautoberfläche, die Beschaffenheit, ihre Farbe und ihre Funktion und die damit verbundenen Handlungen. Sich waschen und pflegen. Anziehen und ausziehen. Meine Großeltern in nächster Nähe. Nackt, faltig, rosa, blau und lila. Strukturen und Furchen. Die Haut ist eine Landkarte von Geschichten, mit Narben und Wunden, mit Zärtlichkeit und Liebe, mit Arbeit und Vergnügen.”

Kontakt Franziska Burkhardt: http://fuchsinforest.blogspot.de

Ausstellung: „Oma und Opa“ im Fotoraum Köln, www.fotoraum-koeln.de


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